Das Leben im Schloss







Angekommen

Wie ihr seht, habe ich den Adventskalender nicht fertig gestellt. Es war keine freie Minute mehr, um online zu gehen oder die Website zu pflegen.
Inzwischen liegt der erste Winter hinter uns, es wurde Frühling und mittlerweile zeigt sich schon der Sommer. Es gibt noch vereinzelt Kartons, die noch nicht ihren Platz gefunden haben. Manches haben wir inzwischen verkauft, verschenkt oder entsorgt, was nicht mehr zu unserem Leben passt. Die Reste des Umzugs halt.
Was vor allem ich bekommen habe, ist ein tiefes Gefühl von "ich bin angekommen". Ich liebe es, am Morgen hier zu erwachen. Durchs offene Fenster höre ich Vögel zwitschern. Vielleicht mal in der Ferne einen Zug - aber weit weg. Der Blick aus dem Schlafzimmerfenster ist köstlich. Der Schlosspark, Bäume und dazwischen in wenigen hundert Metern der kleine See. Es riecht so gut nach Frische, nach Bäumen, nach gemähtem Gras.
Mein Weg durchs Nebenzimmer, durch den Flur ins Bad führt über alte Dielen und einen Steinboden. Der Blick aus dem Badfenster. duzieren, Möbel und Hausrat zu verkaufen, zu verschenken oder sich in anderer Form sinnvoll davon zu trennen. Wir wussten ja, dass unsere Vermieter in einigen Jahren selbst in ihr Haus einziehen wollten.
So war der Plan.
Dann flatterte Anfang Oktober die Eigenbedarfskündigung ins Haus. Ende Dezember sollen wir bitte draußen sein.
Ich stand unter Schock. Es riss mir den Boden unter den Füßen weg. Neben der plötzlich einsetzenden Panik schossen mir Dutzende Gedanken und Emotionen gleichzeitig durchs Hirn:
"Oh nein, diesmal nicht!" war so ein Gedanke. "diesmal lassen wir uns nicht vertreiben, nur weil sich die Lebensumstände unserer Vermieter ändern."
Ich fühlte mich zudem als Opfer: Wieso müssen bitte wir drunter leiden, wenn unsere Vermieter Probleme haben? Probleme, die wir nicht verursacht haben, aber für die wir bezahlen müssen: Umzüge kosten richtig viel Geld.
Diese erste Phase war geprägt von Schock, Wut und Trotz.

Die nächste Phase (einige Stunden später) brachte mich zum Nachdenken: Was genau hatten wir beim letzten Rausschmiss nicht gelernt? Was genau hatten wir übersehen? Ja, ich nenne es Rausschmiss, denn eine Eigenbedarfskündigung ist einfach ein Rausschmiss aus dem eigenen Zuhause. Da hilft es absolut gar nichts, immer pünktlich die Miete zu zahlen oder pfleglich mit dem Haus umzugehen - es hilft dir NIX. Da wirst du als guter Mieter plötzlich zum schlechten Mieter, denn du wohnst jetzt genau da, wo dein Vermieter urplötzlich selber leben will. Sicher, wir hätten uns querstellen können. Wenn wir nix finden, können wir nicht raus. So einfach ist das.
Doch das ist nicht unser Stil. Also haben wir unsere Werte, Wünsche und Bedürfnisse auf den Tisch gepackt und unsere Lage von allen Seiten beleuchtet. Fakt ist: wir waren in diesem Haus nicht wirklich glücklich. Wir lebten auf dem Land - und hatten doch mehr Autolärm als Vogelzwitschern beim Aufwachen. Hier in diesem Nest wohnten entweder Leute im Ruhestand oder junge Familien mit kleinen Kindern. Für uns machte es keinen Sinn, dem Schützenverein beizutreten, nur um Kontakte zu knüpfen. Unsere sozialen Kontakte sind nach wie vor im Raum München, in Franken und (in meinem Fall) in Südamerika.

In diesem Gewirr von Emotionen, Zeitdruck und Kassensturz trafen wir dann die Entscheidung, unsere Lebensmittelpunkte auf zwei Orte zu verteilen. Einen in Franken in der Nähe meines Heimatortes, wo die Mieten etwas erschwinglicher sind - und einen weiteren im Raum München, für Business, Social Life etc.
Das wird nicht günstiger, war jedoch jetzt die beste Entscheidung.

Ja, und nun sitze ich im Wohnzimmer meines Elternhauses - im Schloss ist zwar unser Schlafzimmer schon eingeräumt, die Betten frisch bezogen- aber wir haben noch keine Lampen drin und müssten uns notfalls im Dunkeln zwischen Kartons durch ungewohnte Räume bewegen, falls wir ins Bad müssen. Heute ist also erstmal das Wichtigste dort angekommen, wo es hin soll.