Mein Adventskalender 2025
Das 13.-16.. Türchen
Die letzten Tage waren Land unter - wir haben gepackt, ausgemistet, stundenlang, fast ohne Pause. Mechanisch. Fokussiert. Müdigkeit haben wir nicht zugelassen, es hilft ja nichts. Das ist schon verrückt: ich habe nicht den Eindruck, dass wir möbelmäßig im Luxus leben oder zu viel besitzen - ich habe seit dem letzten Umzug vor 2 1/2 Jahren auch keine Möbel gekauft - mit Ausnahme zweier tiefer IKEA-Regale für meine Aktenordner. Doch Möbel sind Rudeltiere - und sie vermehren sich heimlich ... Wir haben so unfassbar viel Zeug. Erschreckend.
Keine Zeit zum chatten, keine Zeit, um Fragen zu beantworten, die ich von so vielen bekommen habe. Und schon gar keine Zeit und Muße, meinen Adventskalender zu bespielen. Denn irgendwann abends war ich einfach alle. Wir alle waren alle. Schönes Wortspiel...
So eine kurzfristige Eigenbedarfskündigung ist einfach Scheiße. Anders kann ich es nicht formulieren.
Viele von euch sich gewundert, wieso wir SCHON WIEDER umziehen. Manche erinnern sich dran, dass wir im Juni 2023 bereits so eine Hauruck-Aktion hatten, eine sehr kurzfristige Kündigung unseres Hauses. Der Umzug steckte mir noch immer in den Knochen - und für mein inneres Zeitempfinden wäre ich frühestens in zwei Jahren wieder bereit dafür, die Koffer und Kisten zu packen. Ausreichend Zeit, neben Beruf und Familie den Hausstand zu reduzieren, Möbel und Hausrat zu verkaufen, zu verschenken oder sich in anderer Form sinnvoll davon zu trennen. Wir wussten ja, dass unsere Vermieter in einigen Jahren selbst in ihr Haus einziehen wollten.
So war der Plan.
Dann flatterte Anfang Oktober die Eigenbedarfskündigung ins Haus. Ende Dezember sollen wir bitte draußen sein.
Ich stand unter Schock. Es riss mir den Boden unter den Füßen weg. Neben der plötzlich einsetzenden Panik schossen mir Dutzende Gedanken und Emotionen gleichzeitig durchs Hirn:
"Oh nein, diesmal nicht!" war so ein Gedanke. "diesmal lassen wir uns nicht vertreiben, nur weil sich die Lebensumstände unserer Vermieter ändern."
Ich fühlte mich zudem als Opfer: Wieso müssen bitte wir drunter leiden, wenn unsere Vermieter Probleme haben? Probleme, die wir nicht verursacht haben, aber für die wir bezahlen müssen: Umzüge kosten richtig viel Geld.
Diese erste Phase war geprägt von Schock, Wut und Trotz.
Die nächste Phase (einige Stunden später) brachte mich zum Nachdenken: Was genau hatten wir beim letzten Rausschmiss nicht gelernt? Was genau hatten wir übersehen? Ja, ich nenne es Rausschmiss, denn eine Eigenbedarfskündigung ist einfach ein Rausschmiss aus dem eigenen Zuhause. Da hilft es absolut gar nichts, immer pünktlich die Miete zu zahlen oder pfleglich mit dem Haus umzugehen - es hilft dir NIX. Da wirst du als guter Mieter plötzlich zum schlechten Mieter, denn du wohnst jetzt genau da, wo dein Vermieter urplötzlich selber leben will. Sicher, wir hätten uns querstellen können. Wenn wir nix finden, können wir nicht raus. So einfach ist das.
Doch das ist nicht unser Stil. Also haben wir unsere Werte, Wünsche und Bedürfnisse auf den Tisch gepackt und unsere Lage von allen Seiten beleuchtet. Fakt ist: wir waren in diesem Haus nicht wirklich glücklich. Wir lebten auf dem Land - und hatten doch mehr Autolärm als Vogelzwitschern beim Aufwachen. Hier in diesem Nest wohnten entweder Leute im Ruhestand oder junge Familien mit kleinen Kindern. Für uns machte es keinen Sinn, dem Schützenverein beizutreten, nur um Kontakte zu knüpfen. Unsere sozialen Kontakte sind nach wie vor im Raum München, in Franken und (in meinem Fall) in Südamerika.
In diesem Gewirr von Emotionen, Zeitdruck und Kassensturz trafen wir dann die Entscheidung, unsere Lebensmittelpunkte auf zwei Orte zu verteilen. Einen in Franken in der Nähe meines Heimatortes, wo die Mieten etwas erschwinglicher sind - und einen weiteren im Raum München, für Business, Social Life etc.
Das wird nicht günstiger, war jedoch jetzt die beste Entscheidung.
Ja, und nun sitze ich im Wohnzimmer meines Elternhauses - im Schloss ist zwar unser Schlafzimmer schon eingeräumt, die Betten frisch bezogen- aber wir haben noch keine Lampen drin und müssten uns notfalls im Dunkeln zwischen Kartons durch ungewohnte Räume bewegen, falls wir ins Bad müssen. Heute ist also erstmal das Wichtigste dort angekommen, wo es hin soll.