Weg zum eigenen Buch – Brainstorming

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Weg zum eigenen Buch – Brainstorming

Category : Blog , Buch schreiben

Teil 3 – Brainstorming

Der Vertrag war unterschrieben. Jetzt ging es weiter.

Schon vor Wochen, als ich mein Exposé verfasst hatte, hatte ich begonnen, Material zu sammeln. Erst mal fing ich großzügig mit Brainstorming an. Es war Hochsommer und so konnte ich meinen Lieblingsplatz auf der Terrasse nutzen, Blick in den Garten, ein Cappuccino oder ein kühles Wasser in Reichweite. Es war heiß, ich saß im Schatten und genoss die Sommerluft. Am liebsten schreibe ich mit dicken, farbigen Filzstiften auf glattem Papier. Da sprudeln meine Ideen und der Stift gleitet nur so übers Blatt. Ich schrieb alles auf, was mir in den Sinn kam, ungeordnet. NLP-Formate, Impro-Spiele, Erinnerungen an Situationen in meinen NLP-Ausbildungen, bunt durcheinander. Ebenso Fragen, die mir einfielen. Ich füllte mehrere DIN A 3- große Zeichenblock-Seiten damit. Was für eine großartige Ausbeute. In meinem Kopf formten sich schon erste Zusammenhänge, doch ich ließ die Blätter erst mal ein paar Stunden auf meinem Schreibtisch liegen, räumte sie dann weg. Nach ein paar Tagen nahm ich sie mir wieder vor, wieder draußen am großen Gartentisch. Diesmal mit neuen Bögen Papier, mit unzähligen „Post it‘s“ in knalligen Farben. Die erste Grobsortierung. Zum Beispiel „Welche Spiele passten zu welchem NLP-Thema?“. Und auch für mich noch ungeklärte Fragen, die ich recherchieren wollte, fanden hier ihren Platz. Hier schlüpfte ich gedanklich immer wieder in die Rolle des künftigen Lesers: welche Infos brauchte er, und warum sollte/wollte jemand dieses Buch lesen? Welchen Grund hatte jemand, sich damit auseinanderzusetzen? Ich überlegte, welche Fragen mir meine Trainerkollegen gestellt hatten, als ich ihnen zum ersten Mal von meinen Impro-Spielen berichtet hatte. Was brauchte ein Impro-unerfahrener Trainer, um die Spiele dennoch einsetzen zu können?

Ich schwelgte darin, mit all den bunten Klebezetteln eine Struktur zu erstellen. Erst auf meinen Zeichenblockblättern, dann an der Wand meines Arbeitszimmers. Ich brauchte den Überblick. So räumte ich sämtliche Kalender und Bilder weg und verschaffte mir eine leere, zwei Meter breite weiße Gestaltungsfläche direkt über meinem Schreibtisch.13256320_637684389720521_8293263260892678837_n

Als Grundlage nahm ich die Struktur für gut aufgebaute Seminare zur Hilfe. Trainerkollegen, die eine NLP-Trainer-Ausbildung haben, kennen die sicherlich. Warum sollte jemand das lesen? Was genau ist das eigentlich? Wie kann ich das konkret umsetzen? Und in welchen Kontexten kann ich es zusätzlich noch nutzen? So pappten diese Leitfragen groß über der inhaltlichen Struktur an meiner Wand. Darunter kamen die gesammelten Seminar-Kontexte, die einzelnen NLP-Themen und daneben die jeweils dafür passenden Spiele. Es war herrlich, ich genoss es, das anzuschauen. Sobald ich die Struktur hatte, konnte ich auch das jeweilige Kapitel dazu schreiben.

Doch dann passierte etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Für einige Wochen hatte ich mir die Zeit freigehalten, um zu schreiben, hatte kaum Termine und nur wenige Seminartage vereinbart. Ausgerechnet jetzt brach ich mir den linken Ringfinger. Der Bruch war kompliziert und musste operiert werden. Mit einem dicken Verband, der zwei Finger umschloss, war es gar nicht so einfach, zu tippen. Ich beherrsche das Zehnfinger-System, doch auf einmal haute mein linker kleiner Finger, fest eingepackt, ständig die Hochstell-Funktion rein, die mir Großbuchstaben bescherte, wo gar keine nötig waren. Mit etwas Übung stellte ich mich auf ein Achtfinger-System um.

Trotzdem: durch die Operation und die vielen Arztbesuche zur Wundkontrolle kam mein Zeitplan empfindlich durcheinander. Ich lag zwar noch im grünen Bereich, doch ich konnte nicht einfach mal ein paar Stunden oder Tage ungestört am Stück schreiben. Also plante ich, kaum war der Finger wieder halbwegs verheilt, eine Woche Kurzurlaub im südafrikanischen Busch ein. Hier, mitten in der Wildnis und ohne Ablenkung durch Internet und Co., wollte ich konzentriert arbeiten. 13178041_633993013422992_2223066456190798593_n 13124439_633992693423024_4381401978034786052_n Umgeben von lieben Verwandten wurde ich königlich versorgt. Ich wurde bekocht, konnte schreiben und lange Spaziergänge durch den Busch unternehmen, um meine Gedanken zu sortieren. Am Ende der Woche hatte ich die Hälfte des Buches fertig. Meine farbenfrohen Klebezettel, die ich alle sorgsam mitgenommen hatte, kehrten wieder an meine Wand in meinem Arbeitszimmer zurück. Die Hälfte davon war jetzt bereits mit einem Haken versehen. Der Haken bedeutete „Erledigt“.

Inzwischen hatten wir Anfang Mai. Mein vertraglich vereinbarter Abgabetermin war Ende September. Noch vier Monate Zeit. Doch ich wollte vorher fertigwerden. Mitte Juli tippte ich dann die letzten Zeilen. Jetzt konnte das Werk erstmal einige Zeit ruhen, vor allem mein Geist konnte etwas Abstand gewinnen. Dann las ich alles nochmals komplett am Stück durch und ergänzte, wo meiner Meinung nach noch Lücken waren.

Dann ab mit dem fertigen Manuskript an den Verlag.

Doch fertig war ich mit meiner Arbeit noch nicht. Denn es fehlten noch die ergänzenden Zeichnungen.